Letzte Änderung: 2026-07-23

CEO-Fraud & Business Email Compromise: So härtest Du Microsoft 365 technisch gegen E-Mail-Betrug

Eine E-Mail vom Geschäftsführer, Freitagnachmittag: „Bitte überweise noch heute 48.000 € an diesen neuen Lieferanten, ich bin in einem Termin und nicht erreichbar." Die Buchhaltung führt aus. Das Geld ist weg. Kein Trojaner, kein Exploit, keine Schwachstelle im klassischen Sinn — nur eine clever gefälschte E-Mail. Das ist Business Email Compromise (BEC), in der Sonderform CEO-Fraud, und es ist eine der teuersten Angriffsarten überhaupt: Das FBI beziffert die weltweiten BEC-Schäden auf zweistellige Milliardenbeträge, der durchschnittliche Einzelschaden liegt im fünf- bis sechsstelligen Bereich.

Ein einziger BEC-Fall verursacht durchschnittlich fünf- bis sechsstelligen Schaden

Das Tückische: Standard-Anti-Spam fängt diese Mails oft nicht, weil sie technisch sauber aussehen. Wer Microsoft 365 vor Phishing schützen will, muss tiefer ansetzen — bei Anti-Impersonation, E-Mail-Authentifizierung und der Erkennung übernommener Postfächer. In diesem Guide zeige ich Dir, wie ein BEC-Angriff in M365 konkret abläuft und mit welchen Defender-, DMARC- und Conditional-Access-Einstellungen Du ihn technisch unterbindest. Das ergänzt die Microsoft 365 Security-Empfehlungen um die E-Mail-Betrugsschicht.


Alles Wichtige auf einen Blick

  • Risk: CEO-Fraud und Lieferantenbetrug — eine gefälschte E-Mail, scheinbar vom CEO oder Chef, bringt einen Mitarbeiter im Unternehmen zu einer Überweisung auf ein Betrügerkonto.
  • Liability: Durchschnittsschaden fünf- bis sechsstellig; bei meldepflichtigen Datenabflüssen steht die Geschäftsführung nach DSGVO und im NIS2-Kontext in der Verantwortung.
  • Anti-Impersonation: Defender for Office 365 → Anti-Phishing-Richtlinie mit Benutzer- und Domänen-Impersonation-Schutz.
  • E-Mail-Authentifizierung: SPF + DKIM + DMARC auf p=reject — gegen Domain-Spoofing.
  • Kontoübernahme: Phishing-resistente MFA, Conditional Access und Mailbox-Auditing; verdächtige Weiterleitungsregeln überwachen.
  • Lizenz: Anti-Impersonation erfordert Defender for Office 365 Plan 1/2 (in M365 Business Premium und E5 enthalten); SPF/DKIM/DMARC sind kostenfreie Standards.

Wie ein BEC-/CEO-Fraud-Angriff in Microsoft 365 abläuft

CEO-Fraud ist die Betrugsmasche, bei der sich ein Angreifer per E-Mail als CEO, Chef oder Geschäftsführer ausgibt, um einen Mitarbeiter im Unternehmen zu einer eiligen Überweisung oder zur Herausgabe vertraulicher Informationen zu bewegen. Die gefälschte Nachricht imitiert den Schreibstil des Chefs und kombiniert Autorität mit Zeitdruck — „dringend und vertraulich, bitte sofort". Business Email Compromise (BEC) ist dabei der technische Oberbegriff, CEO-Fraud die bekannteste Spielart; daneben zielen Angreifer mit denselben Methoden auf Lieferanten- und Rechnungsbetrug. Allen gemeinsam ist: Es geht um Geld oder um Informationen, und der Hebel ist nicht eine technische Lücke, sondern das Vertrauen der Mitarbeiter in eine scheinbar legitime Nachricht.

Um die richtigen Schutzmaßnahmen zu setzen, musst Du einen CEO-Fraud-Angriff aus Sicht des Täters verstehen. Ein BEC-Angriff läuft fast immer in einer dieser drei Varianten:

  • 1. Display-Name-Spoofing: Der Angreifer registriert eine beliebige Mailadresse und setzt als Anzeigenamen „Aaron Siller – Geschäftsführung". Im Posteingang sieht der Empfänger nur den Namen, nicht die kryptische Absenderadresse dahinter — besonders am Smartphone. Technisch ist das die simpelste Variante und braucht keine Kompromittierung.
  • 2. Look-alike-Domain (Cousin-Domain): Statt siller.consulting registriert der Täter siller-consulting.com oder sıller.consulting (mit kyrillischem „ı"). Die Mail kommt von einer real existierenden, dem Angreifer gehörenden Domain — SPF und DKIM für diese Domain sind sogar gültig. Genau deshalb ist Domain-Spoofing-Schutz allein hier wirkungslos.
  • 3. Echte Kontoübernahme (ATO): Der Angreifer hat sich per Phishing Zugang zu einem echten Postfach verschafft. Jetzt sendet er aus der echten Adresse, liest mit, kennt den Schreibstil und die laufenden Vorgänge. Das ist die gefährlichste Variante — und der Grund, warum E-Mail-Schutz und Identitätsschutz zusammengehören.
Die drei Varianten von CEO-Fraud: Display-Name-Spoofing, Look-alike-Domain und Kontoübernahme

Oft kombiniert: Der Täter übernimmt ein Postfach (Variante 3), beobachtet wochenlang die Lieferantenkommunikation und schlägt im richtigen Moment mit einer geänderten Bankverbindung zu (Rechnungs-/Lieferantenbetrug). Diese Geduld unterscheidet einen CEO-Fraud-Angriff von breit gestreuten Massen-Angriffen.

In einem Fall aus meiner Praxis lief genau dieses Muster: Ein Angreifer hatte über ein per AiTM-Phishing erbeutetes Session-Cookie Zugang zu einem Postfach im Einkauf — die Standard-MFA hatte ihn nicht aufgehalten. Statt sofort zuzuschlagen, legte er eine unauffällige Posteingangsregel an, die alle Mails eines bestimmten Lieferanten in einen Unterordner verschob, und kommunizierte dann selbst mit dem Lieferanten. Aufgefallen ist es erst, als die echte Buchhalterin sich wunderte, warum der Lieferant „nicht antwortet". Der Schaden war zu dem Zeitpunkt schon angewiesen. Die Lehre: BEC ist selten ein einzelner Klick — es ist eine Kette aus Identitäts-, E-Mail- und Prozesslücke. Genau diese Kette zerlegen wir in den folgenden Abschnitten.


Warum Standard-Anti-Spam nicht genügt

Exchange Online Protection (EOP) ist die Basis-Hygieneschicht in jedem M365-Tenant: Sie filtert Massen-Spam, bekannte Malware und Mails von schlecht beleumundeten Servern. Das ist notwendig — aber es ist Mengenfilterung, keine Betrugserkennung. BEC-Mails sind gezielt, niedrigvolumig und enthalten oft keinen schädlichen Anhang oder Link, nur Text. Für einen reinen Reputations- und Signaturfilter sehen sie harmlos aus.

Wichtig ist daher die saubere Abgrenzung zweier Schichten: EOP sichert den Mailfluss gegen Spam und Malware (die Grundlagen dazu stehen auch in den 7 Schritten für Exchange-Online-Sicherheit). Defender for Office 365 legt die Anti-Phishing-Intelligenz darüber: Impersonation-Erkennung, Mailbox Intelligence, Safe Links und Safe Attachments. Erst diese obere Schicht adressiert BEC. Den Funktionsumfang beschreibt unser Beitrag zu Microsoft Defender for Office 365.

Die vier Schutzschichten gegen E-Mail-Betrug: Anti-Impersonation, E-Mail-Echtheit, Identität und Erkennung

Defender for Office 365: Anti-Phishing & Impersonation konfigurieren

Das Herzstück gegen CEO-Fraud ist die Anti-Phishing-Richtlinie in Defender for Office 365. Standardmäßig ist sie aktiv, aber der Impersonation-Schutz ist nicht vorkonfiguriert — Du musst Deine schützenswerten Personen und Domänen selbst eintragen. Navigiere im Microsoft Defender-Portal zu E-Mail & Zusammenarbeit → Richtlinien & Regeln → Bedrohungsrichtlinien → Anti-Phishing.

Diese Stellschrauben sind entscheidend:

  • Benutzer-Impersonation (User Impersonation): Trage die Konten ein, die am ehesten imitiert werden — Geschäftsführung, Finanzleitung, Einkauf. Defender warnt dann, wenn eine Mail vorgibt, von diesen Personen zu kommen, aber nicht von deren echter Adresse stammt. Limit: bis zu 350 geschützte Benutzer pro Richtlinie — priorisiere die kritischen Rollen.
  • Domänen-Impersonation (Domain Impersonation): Aktiviere den Schutz für Deine eigenen Domänen und wichtige Partnerdomänen. Defender erkennt dann Look-alike-Domains, die Deiner ähneln.
  • Mailbox Intelligence: Aktivieren. Defender lernt per Machine Learning die üblichen Kommunikationsmuster jedes Postfachs und erkennt Abweichungen — etwa wenn plötzlich ein „bekannter" Kontakt von einer nie genutzten Adresse schreibt.
  • Spoof Intelligence: Die Spoof-Intelligence-Erkennung (in EOP/Defender) bewertet, ob ein externer Absender berechtigt im Namen einer Domäne sendet, und füttert die Spoof-Intelligence-Insights — prüfe diese Liste regelmäßig und blockiere nicht autorisierte Spoofing-Quellen, statt sie stillschweigend zuzulassen.
  • Aktion bei Impersonation: Setze die Aktion mindestens auf „In Junk verschieben", für hochkritische Konten auf „Quarantäne". Aktiviere zusätzlich die Sicherheitstipps (Erstkontakt-Warnung, Impersonation-Banner) — diese sichtbaren Hinweise im Postfach sind ein wirksamer letzter Schutz vor dem Klick.

Microsoft beschreibt die Funktionsweise im Detail unter Anti-Phishing-Richtlinien in Defender for Office 365; die konkrete Einrichtung Schritt für Schritt steht im Artikel Anti-Phishing-Richtlinien konfigurieren.

Zwei weitere Defender-Bausteine gehören in jede BEC-Härtung, weil moderne Angriffe Text und Schadlinks mischen: Safe Links schreibt URLs zur Klickzeit um und prüft sie dynamisch — wichtig, weil ein Link beim Mailversand noch sauber sein und erst Stunden später bösartig werden kann. Safe Attachments öffnet Anhänge in einer Sandbox, bevor sie zugestellt werden. Beide solltest Du über die voreingestellten Sicherheitsrichtlinien („Standard" oder „Strikt") aktivieren, statt jede Einstellung von Hand zu pflegen — die Preset-Policies werden von Microsoft laufend an die aktuelle Bedrohungslage angepasst und ersparen Dir Konfigurationsdrift. Wer maximale Kontrolle braucht, baut benutzerdefinierte Richtlinien darüber; für die meisten KMU ist „Strikt" für die VIP-Gruppe und „Standard" für den Rest der pragmatischste Weg.

Meine Empfehlung: Lege eine eigene, höher priorisierte Anti-Phishing-Richtlinie nur für Deine VIP-Konten an, statt alles in die Standardrichtlinie zu packen. So kannst Du für Geschäftsführung und Finanzwesen aggressivere Schwellenwerte fahren, ohne die ganze Organisation mit False Positives zu belasten.

SPF, DKIM und DMARC korrekt scharfschalten

Gegen die erste BEC-Variante — jemand fälscht Deine eigene Domain — ist E-Mail-Authentifizierung der Hebel. Alle drei Standards werden als DNS-TXT-Einträge Deiner Domain veröffentlicht; empfangende Mailserver lesen diese Einträge aus und entscheiden anhand der Regeln, ob eine Nachricht echt ist. Die drei greifen ineinander:

  • SPF legt fest, welche Server für Deine Domain senden dürfen. Veröffentliche einen vollständigen SPF-Record und schließe ihn mit -all (hard fail) ab. Anleitung: SPF konfigurieren.
  • DKIM signiert ausgehende Mails kryptografisch. Aktiviere DKIM für jede Deiner gesendeten Domänen — auch für Parked-Domains, die gar nicht senden. Anleitung: DKIM konfigurieren.
  • DMARC ist die Durchsetzungs-Policy: Sie sagt empfangenden Servern, was mit Mails passieren soll, die SPF/DKIM nicht bestehen.

Der entscheidende und am häufigsten halb fertige Punkt ist DMARC. Viele Tenants stehen auf p=none — das überwacht nur und blockiert nichts. Der Fahrplan:

  • 1. Start mit p=none und einer rua-Reporting-Adresse, um zwei bis vier Wochen Daten zu sammeln (welche legitimen Dienste senden in Deinem Namen?). Die aggregierten DMARC-Berichte kommen als XML an die hinterlegte Adresse — ein DMARC-Auswertungsdienst macht diese Berichte lesbar und zeigt Dir, welche Quellen noch nicht sauber authentifiziert sind, bevor Du hochstufst.
  • 2. Hochstufen auf p=quarantine, schrittweise mit pct.
  • 3. Ziel: p=reject. Erst damit werden gefälschte Mails von Deiner Domain hart abgewiesen, bevor sie überhaupt ein Postfach erreichen.
DMARC in drei Stufen scharfschalten: p=none, p=quarantine und p=reject

So sieht ein DMARC-TXT-Eintrag im Zielzustand konkret aus. Du legst ihn als DNS-TXT-Eintrag auf dem Host _dmarc.deinedomain.de an:

v=DMARC1; p=reject; rua=mailto:[email protected]; pct=100; adkim=s; aspf=s

Die wichtigsten Felder: p=reject ist die Durchsetzungs-Richtlinie, rua die Adresse für die aggregierten Berichte, pct=100 wendet die Regel auf alle Mails an, und adkim=s/aspf=s schalten den strengen Abgleich-Modus scharf. Genauso werden SPF und DKIM als eigene DNS-TXT-Einträge veröffentlicht — der SPF-Eintrag listet die erlaubten Sendeserver, der DKIM-Eintrag den öffentlichen Signaturschlüssel. Wichtig: Pflege diese Einträge sauber, denn ein fehlerhafter SPF- oder DMARC-Eintrag ist ein häufiger Fehler, der legitime Mails ausbremst. Microsofts vollständige Anleitung steht unter DMARC konfigurieren für Microsoft 365.

Den Authentication-Results-Header lesen: Ob diese Kette greift, siehst Du im Authentication-Results-Header jeder eingehenden Mail (in Outlook über „Nachrichtenoptionen → Internetkopfzeilen"). Microsoft 365 schreibt dort das aggregierte Compound-Authentication-Ergebnis (compauth) sowie die Einzelresultate für SPF, DKIM und DMARC hinein. Ein sauber authentifizierter Absender sieht so aus:

Authentication-Results: spf=pass (sender IP is …) smtp.mailfrom=lieferant.de;
 dkim=pass (signature was verified) header.d=lieferant.de;
 dmarc=pass action=none header.from=lieferant.de; compauth=pass reason=100

Steht hier dmarc=fail oder compauth=fail, hat die Mail die Authentifizierung nicht bestanden — ein hartes Signal, das in jede Vorfalls-Analyse gehört. Bei einer verdächtigen „Geschäftsführer"-Mail ist der compauth-Wert der schnellste forensische Check: ein fail bei einer angeblich internen Adresse entlarvt Domain-Spoofing sofort.

Wichtige Ehrlichkeit: DMARC schützt nur Deine eigene Domain vor Missbrauch. Gegen Display-Name-Spoofing und Look-alike-Domains (Varianten 1 und 2 oben) hilft es nicht — dafür brauchst Du den Defender-Impersonation-Schutz aus dem vorherigen Abschnitt. Erst beide Schichten zusammen decken das BEC-Spektrum ab.


Conditional Access & Mailbox-Auditing gegen Kontoübernahme

Die gefährlichste BEC-Variante ist die echte Kontoübernahme — und die verhinderst Du nicht in der Mail-, sondern in der Identitätsschicht. Der wirksamste Einzelhebel ist phishing-resistente MFA: Wenn der Angreifer das Passwort hat, aber keinen Passkey, kommt er nicht ins Postfach. Wie Du das umsetzt, beschreibt unser Schwester-Guide Phishing-resistente MFA in Microsoft 365 erzwingen im Detail.

Darüber hinaus:

  • Conditional Access: Riskante Anmeldungen blockieren oder mit starker Authentifizierung absichern. Die Grundlagen stehen in unseren Conditional Access Best Practices, die Einbindung von Risikosignalen in den risikobasierten Zugriffsrichtlinien und bei Entra ID Identity Protection.
  • Mailbox-Auditing: In Exchange Online standardmäßig aktiv — stelle sicher, dass es nicht deaktiviert wurde. Es protokolliert Postfachzugriffe und ist Deine forensische Grundlage nach einem Vorfall.
  • OAuth-/App-Consent: Angreifer hinterlassen nach einer Übernahme gern eine bösartige OAuth-App, um auch nach einem Passwort-Reset Zugriff zu behalten. Schränke Nutzer-Einwilligungen ein und überwache App-Consents — das deckt sich mit den Maßnahmen aus Defender for Cloud Apps gegen Shadow IT.

Diese Identitätsmaßnahmen sind kein BEC-Sonderweg, sondern Teil einer soliden Grundhärtung — der Beitrag Microsoft MFA-Bypass verhindern und unsere Härtungs-Tipps im Identity-Management gehen auf die einzelnen Stellschrauben näher ein. Der Grundsatz dahinter: Wer das Postfach nicht übernehmen kann, kann auch keinen glaubwürdigen CEO-Fraud aus der echten Adresse fahren.


Kompromittierte Postfächer erkennen

Selbst bei guter Härtung gilt: Erkennung ist Teil des Schutzes. Das verräterischste Signal einer Kontoübernahme sind bösartige Posteingangsregeln. Der Angreifer legt eine Regel an, die Mails mit Stichworten wie „Rechnung", „Überweisung" oder „Bank" automatisch in einen unscheinbaren Ordner verschiebt oder als gelesen markiert — damit der echte Postfachbesitzer die laufende Betrugskommunikation nicht bemerkt.

Worauf Du achten und was Du überwachen solltest:

  • Weiterleitungsregeln nach extern: Automatische Forwards an externe Adressen sind ein klassisches Exfiltrations- und Mitlese-Signal. Unterbinde externe Auto-Weiterleitung tenantweit (Outbound-Spam-Richtlinie) und alarmiere bei neuen Weiterleitungsregeln.
  • Regeln, die in Unterordner verschieben oder löschen — besonders mit finanzbezogenen Stichworten.
  • Ungewöhnliche Anmeldungen: Impossible Travel, neue Länder, neue Geräte. Diese Signale laufen in Microsoft Defender XDR und im Microsoft Defender-Portal zusammen, wo Du auch automatische Untersuchungen aufsetzen kannst.

Mach dieses Monitoring nicht zur Einmal-Aktion: Richte im Defender-Portal Alert-Policies für neue Weiterleitungsregeln und auffällige Anmeldungen ein, damit das Monitoring Dich aktiv benachrichtigt, statt darauf zu warten, dass jemand zufällig nachsieht.

Eine strukturierte Reaktion auf ein übernommenes Konto beschreibt Microsoft unter Reaktion auf ein kompromittiertes E-Mail-Konto.


Notfallplan & Self-Check

Wenn der Verdacht da ist — die Reihenfolge zählt:

  • 1. Konto sofort sperren und alle aktiven Sitzungen widerrufen (Token revoke) — nicht nur das Passwort ändern, sonst bleibt die laufende Session aktiv.
  • 2. Posteingangs- und Weiterleitungsregeln prüfen und bösartige Regeln entfernen.
  • 3. OAuth-Apps und App-Registrierungen des Kontos kontrollieren.
  • 4. Bei ausgelöster Überweisung: sofort die Hausbank kontaktieren (Rückholversuch), Anzeige erstatten, intern Finanz- und Geschäftsführung informieren.
  • 5. Vorfall dokumentieren — für die DSGVO-Meldepflicht und die spätere Aufarbeitung.

Die letzte Verteidigungslinie ist ein Prozess, kein Produkt. Auch der beste technische Stack lässt eine kleine Restmenge gut gemachter Mails durch. Deshalb gehört zu jeder BEC-Härtung eine harte organisatorische Regel: Zahlungen ab einer definierten Schwelle und jede Änderung einer Bankverbindung werden über einen zweiten Kanal verifiziert — ein Rückruf unter der bekannten, nicht aus der Mail entnommenen Telefonnummer. Diese Vier-Augen-Regel kostet nichts und stoppt genau den Angriff, den keine Technik vollständig abfangen kann. Technik reduziert die Zahl der Versuche, der Prozess fängt den Rest.

Dazu gehört auch Security Awareness: Deine Mitarbeiter sind bei BEC nicht das Problem, sondern die letzte Kontrollinstanz. Ein kurzes, regelmäßiges Security-Awareness-Training — woran man eine Impersonation-Mail erkennt, warum ein „dringend und vertraulich" zur Geschäftszeit ein Warnsignal ist, und an wen ein verdächtiger Fall sofort gemeldet wird — verwandelt einen potenziellen Fehler in einen gemeldeten Vorfall. Diese organisatorischen Maßnahmen sind kein Ersatz für die technische Härtung, aber ihre notwendige Ergänzung: Erkennt der Mensch die Mail nicht, fängt die Vier-Augen-Regel bei der Zahlung sie ab — und meldet die Buchhaltung den Vorfall, schließt Du die Lücke, bevor sie zum Schaden wird.

Phishing-resistente Identitäten, scharf gestellte DMARC-Policy und aktiver Impersonation-Schutz machen aus diesem Notfall einen unwahrscheinlichen Ausnahmefall. Mehr zum organisatorischen Rahmen — inklusive Dokumentations- und Meldepflichten — findest Du in unserem Beitrag Microsoft 365 DSGVO-konform einrichten. Wie gut Dein Tenant insgesamt aufgestellt ist, spiegelt sich außerdem im Microsoft Secure Score, und die Identitäts-Grundlagen vertieft unser Beitrag zu den Entra ID Best Practices.

Self-Check in vier Fragen:

  • 1. Steht Deine DMARC-Policy auf p=reject — oder dümpelt sie bei p=none?
  • 2. Sind Geschäftsführung und Finanzwesen als geschützte Benutzer in einer Anti-Phishing-Richtlinie eingetragen?
  • 3. Werden neue Weiterleitungs- und Posteingangsregeln überwacht und externe Auto-Weiterleitung blockiert?
  • 4. Ist für alle Postfächer phishing-resistente MFA erzwungen?

Jedes „Nein" ist eine offene Tür für CEO-Fraud.


Häufige Fragen zu CEO-Fraud

Woran erkenne ich eine CEO-Fraud-Mail?

Typische Warnzeichen: eine Nachricht, die angeblich vom CEO oder Chef stammt, aber von einer fremden E-Mail-Adresse kommt — kombiniert mit Zeitdruck, Vertraulichkeit und einer ungewöhnlichen Bitte um eine Überweisung oder die Herausgabe vertraulicher Informationen. Prüfe immer die echte Absender-E-Mail-Adresse, nicht nur den Anzeigenamen; gerade auf dem Smartphone zeigen viele Mail-Apps nur den Namen, nicht die dahinterliegende E-Mail-Adresse.

Was unterscheidet CEO-Fraud von einem breiten Phishing-Angriff?

Ein Massenangriff geht an viele Empfänger und will Zugangsdaten abgreifen. CEO-Fraud ist gezielt: Der Angreifer recherchiert das Unternehmen, kennt die Namen von Geschäftsführung und Buchhaltung und verschickt wenige, sehr glaubwürdige Nachrichten. Es geht direkt um Geld — eine einzige erfolgreiche E-Mail kann fünf- bis sechsstelligen Schaden im Unternehmen anrichten.

Was mache ich bei Verdacht auf eine CEO-Fraud-Mail?

Nicht antworten, nichts überweisen. Verifiziere die Anweisung über einen zweiten Kanal — ein kurzer Anruf beim CEO oder Chef unter der bekannten Telefonnummer, nicht unter der aus der Mail. Melde die verdächtige Nachricht an Deine IT, damit sie die Absenderadresse blockieren und prüfen kann, ob weitere Mitarbeiter dieselbe E-Mail erhalten haben. Solche gemeldeten Nachrichten sind zugleich wertvolle Informationen, um die Schutzregeln im Unternehmen nachzuschärfen.

Bereit, Microsoft 365 gegen E-Mail-Betrug zu härten?

Ich bin Aaron Siller, Microsoft MVP für Security und Gründer von siller.consulting. In meinen Projekten ist BEC der Angriff, der am häufigsten echten finanziellen Schaden anrichtet — und fast immer war eine der vier Self-Check-Fragen mit „Nein" zu beantworten. Meistens steht DMARC auf p=none und der Impersonation-Schutz ist nie eingerichtet worden.

Unser Microsoft 365 Hardening Check prüft genau das: Wir kontrollieren Deine Anti-Phishing-Policies, die DMARC-Durchsetzung und Deine Postfach-Konfiguration auf die typischen BEC-Lücken — und zeigen Dir konkret, wo Geld und Daten gefährdet sind. Keine generische Checkliste, sondern eine Analyse Deines echten Tenants.

In einem persönlichen Workshop gehen wir Deine E-Mail-Sicherheit gemeinsam durch — von Defender-Impersonation über DMARC bis zur Erkennung übernommener Postfächer. Hands-on, an Deinem System. Hol Dir vorab unser eBook zur E-Mail- und Identitätssicherheit als Einstieg. Melde Dich bei mir — bevor die nächste „dringende Überweisung" hereinkommt.

Aaron Siller ist Microsoft MVP und Security Consultant mit über 10 Jahren Erfahrung in der Absicherung von Microsoft 365-Umgebungen. Als Fachbuchautor (Rheinwerk Verlag) und Trainer für die Heise Academy und Golem Karrierewelt vermittelt er praxisnahes Security-Wissen. Er berät Organisationen vom Mittelstand über Banken und Konzerne bis zu öffentlich-rechtlichen Sendern wie ARD und ZDF.

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