Letzte Änderung: 2026-09-06

Microsoft Passkey erstellen und in Entra ID sicher ausrollen

Einen Microsoft Passkey zu erstellen dauert für einen Benutzer nur wenige Minuten. Ihn in einem Unternehmen sicher auszurollen, ist anspruchsvoller: Entra ID muss den richtigen Passkey-Typ zulassen, die Registrierung darf nicht selbst zum Einfallstor werden und Conditional Access muss den Passkey dort erzwingen, wo klassische MFA nicht mehr reicht.

Dieser Guide zeigt beides: den konkreten Ablauf in Microsoft Authenticator und die administrative Einführung in Microsoft Entra ID. Du erfährst, wie sich gerätegebundene und synchronisierte Passkeys unterscheiden, wie Du Passkey-Profile für Pilotgruppen konfigurierst und wie Du mit Authentication Strengths aus „verfügbar" tatsächlich „verpflichtend" machst.


Alles Wichtige auf einen Blick

  • Was: Passkeys sind FIDO2/WebAuthn-Anmeldedaten. Bei gerätegebundenen Passkeys bleibt der private Schlüssel auf einem Gerät; synchronisierte Passkeys übertragen ihn verschlüsselt über den jeweiligen Passkey-Anbieter. Bei der Anmeldung wird kein Passwort oder Einmalcode übertragen.
  • Warum phishing-resistent: Der Schlüssel ist an die Domain gebunden (Origin Binding). Eine gefälschte Anmeldeseite bekommt technisch keine gültige Signatur — auch dann nicht, wenn der Nutzer alles richtig falsch macht.
  • Typen in Entra ID: gerätegebundene Passkeys wie Microsoft Authenticator, Sicherheitsschlüssel und Entra Passkey auf Windows sowie — bei entsprechender Richtlinie — synchronisierte Passkeys.
  • Einrichtung: Passkey-Profile bestimmen Typ, Nachweis und Zielgruppe. Für Microsoft Authenticator sind aktuell Android 14+ oder iOS 17+ erforderlich.
  • Durchsetzung: über Authentication Strengths in Conditional Access — zuerst für privilegierte Konten und besonders schützenswerte Anwendungen.

Warum dieser Guide bei der Einrichtung ansetzt

Warum klassische MFA gegen Adversary-in-the-Middle-Angriffe, MFA-Fatigue und SIM-Swapping nicht mehr ausreicht und warum Passkeys genau diese Lücken schließen, steht ausführlich im Artikel Phishing-resistente MFA in Microsoft 365 erzwingen. Dieser Guide setzt dort an, wo jener aufhört: Passkey-Typen, Einrichtung in Authenticator, Registrierungssicherheit und der konkrete Rollout in Entra ID — nicht die MFA-Grundlagen noch einmal.


Was Passkeys technisch sind — und warum sie phishing-resistent sind

Passkeys sind Schlüsselpaare. Bei der Registrierung entsteht ein privater und ein öffentlicher Schlüssel. Der öffentliche geht an Entra ID. Bei einem gerätegebundenen Passkey bleibt der private Schlüssel im TPM, im Secure Element des Smartphones oder auf dem Sicherheitsschlüssel. Bei einem synchronisierten Passkey wird er verschlüsselt über den Passkey-Anbieter auf weitere Geräte übertragen.

Bei der Anmeldung schickt Entra ID eine Zufallsaufgabe. Dein Gerät signiert sie mit dem privaten Schlüssel — aber erst, nachdem Du Dich lokal ausgewiesen hast, per PIN, Fingerabdruck oder Gesicht. Entra ID prüft die Signatur gegen den öffentlichen Schlüssel. Fertig.

Und hier kommt der Teil, auf den es ankommt: Der Browser bindet den Passkey an die Domain, für die er registriert wurde. Ruft eine Phishing-Seite unter login.microsft-secure.com denselben Passkey auf, gibt der Browser ihn nicht heraus. Nicht weil er den Betrug erkennt — sondern weil die Domain nicht passt. Der Nutzer kann den Fehler gar nicht machen.

Ablauf einer Passkey-Anmeldung in Microsoft Entra ID von der Registrierung bis zur geprüften Signatur

Drei Konsequenzen, die man daraus mitnehmen sollte:

  • Es gibt kein wiederverwendbares Geheimnis. Ein Angreifer, der Entra ID kompromittiert, erbeutet öffentliche Schlüssel. Damit kann er nichts anfangen.
  • Kein Nutzer kann einen Passkey „verraten". Er kann ihn nicht abtippen, nicht vorlesen, nicht per Mail schicken. Social Engineering läuft ins Leere.
  • Die Sicherheit hängt am Authentifikator, nicht am Gedächtnis. Das verlagert das Risiko — weg vom Menschen, hin zu Geräteverwaltung, Anbieterprofil und Wiederherstellungsprozess.

Welche Passkey-Typen Entra ID unterstützt

Microsoft Entra ID unterscheidet heute vor allem zwischen gerätegebundenen und synchronisierten Passkeys. Die aktuelle Microsoft-Dokumentation zur Passkey-Richtlinie führt beide Typen und ihre Richtliniensteuerung auf.

Gerätegebundene Passkeys

Der private Schlüssel bleibt auf einem konkreten Gerät. Dazu gehören Microsoft Authenticator auf Android und iOS, FIDO2-Sicherheitsschlüssel und Microsoft Entra Passkey auf Windows. Auch Windows Hello for Business liefert eine phishing-resistente Plattformanmeldung, wird in Entra-Richtlinien aber als eigene Methode geführt.

Für privilegierte Konten ist ein FIDO2-Sicherheitsschlüssel weiterhin die kontrollierbarste Variante: Der Schlüssel ist physisch greifbar, kann getrennt verwahrt und über seine AAGUID auf zugelassene Modelle beschränkt werden. Für die breite Belegschaft ist ein gerätegebundener Passkey in Microsoft Authenticator oft praktikabler.

Synchronisierte Passkeys

Synchronisierte Passkeys werden verschlüsselt über einen Passkey-Anbieter wie Apple iCloud Keychain oder Google Password Manager auf weitere Geräte übertragen. Microsoft Entra ID kann sie über ein eigenes Passkey-Profil zulassen. Microsoft weist zugleich darauf hin, dass synchronisierte Passkeys keinen Authentifikatornachweis unterstützen. Sie gelten als phishing-resistent, haben aber nicht dieselbe kontrollierbare Gerätebindung wie ein attestierter Sicherheitsschlüssel.

Die richtige Frage lautet deshalb nicht „Passkeys ja oder nein?", sondern: Welcher Passkey-Typ für welche Risikoklasse?

Gerätegebundene und synchronisierte Passkeys in Microsoft Entra ID im Vergleich

Eine praktische Faustregel aus meinen Projekten:

ZielgruppeEmpfehlungVorteileZu bedenken
Administratoren, Break-Glass, Finanzfreigabenattestierter FIDO2-Sicherheitsschlüsselphysische Kontrolle, per AAGUID einschränkbarBeschaffung, Ersatzschlüssel, Verwahrung
Wissensarbeiter mit festem Windows-GerätWindows Hello for Business oder Entra Passkey auf Windowsintegrierte Benutzererfahrunggerätebezogener Rollout
Mobile Rollen, Außendienstgerätegebundener Passkey in Microsoft Authenticatorkein zusätzlicher Hardware-TokenAndroid 14+/iOS 17+, Gerätewechsel planen
Komfort-orientierte Standardkontensynchronisierter Passkey, sofern das Risikomodell ihn zulässtauf mehreren Geräten verfügbarkein Attestierungsnachweis, Anbieterbindung
Schichtbetrieb an gemeinsam genutzten Gerätenpersonengebundener FIDO2-Sicherheitsschlüsseleindeutige Zuordnung trotz geteiltem GerätAusgabe und Rücknahme organisieren

Passkey-Profile in Entra ID konfigurieren

Die grundlegende Aktivierung der Methode Passkey (FIDO2) im Entra Admin Center — Navigation, Einschalten, Ziel wählen — ist im Artikel zu phishing-resistenter MFA beschrieben. Für den Rollout entscheidend ist die Profil-Ebene, die dort nur gestreift wird:

  • 1. Unter Passkey-Profile ein eigenes Profil pro Zielgruppe anlegen: gerätegebunden oder synchronisiert. Microsoft weist darauf hin, dass diese Umstellung derzeit nicht rückgängig gemacht werden kann — deshalb zuerst im Testtenant oder mit einer kleinen Pilotgruppe planen.
  • 2. Für Microsoft Authenticator ein gerätegebundenes Profil mit der Microsoft-Authenticator-AAGUID konfigurieren; bei höherem Schutzbedarf den Authentifikatornachweis erzwingen.
  • 3. Eine Pilotgruppe als Ziel festlegen und Self-Service-Einrichtung zulassen aktivieren.
  • 4. Erst nach erfolgreichem Pilot die Zielgruppe erweitern.

Die administrativen Schritte und Voraussetzungen ändern sich derzeit sichtbar weiter. Deshalb sollte die konkrete Klickstrecke vor jedem größeren Rollout noch einmal mit der aktuellen Microsoft-Anleitung zum Aktivieren von Passkeys abgeglichen werden.


Microsoft Passkey in Authenticator erstellen

Für Passkeys in Microsoft Authenticator nennt Microsoft aktuell Android 14 oder höher beziehungsweise iOS 17 oder höher als Voraussetzung. Der empfohlene Benutzerablauf startet direkt in der App:

  • 1. Microsoft Authenticator öffnen und das Geschäfts-, Schul- oder Unikonto hinzufügen beziehungsweise auswählen.
  • 2. Im Konto Passkey erstellen wählen.
  • 3. Die bestehende MFA-Anforderung erfüllen.
  • 4. Bildschirmsperre und Authenticator als Passkey-Anbieter aktivieren, falls das Betriebssystem dazu auffordert.
  • 5. Einrichtung abschließen und anschließend eine Anmeldung an einer Microsoft-Anwendung testen.

Alternativ lässt sich die Registrierung über die Sicherheitsinformationen unter aka.ms/mysecurityinfo oder geräteübergreifend aus einem Browser starten. Für geräteübergreifende Registrierung und Anmeldung benötigen beide Geräte Bluetooth und Internetzugriff; die benötigten Endpunkte müssen im Unternehmensnetz erreichbar sein. Die vollständigen Varianten dokumentiert Microsoft unter Passkeys in Authenticator registrieren.

Wichtig für die Kommunikation: Dieselbe App kann Push-Benachrichtigungen und Passkeys. Push bestätigt nur den Benutzer und bleibt durch Adversary-in-the-Middle-Angriffe umgehbar. Der Passkey prüft zusätzlich die echte Anmeldedomain. Gleiches App-Symbol, grundlegend anderes Schutzniveau.


Rollout in der richtigen Reihenfolge

Der häufigste Fehler bei der Passkey-Einführung ist nicht technischer Natur — es ist die Reihenfolge. Wer mit einem tenantweiten Zwang startet, produziert am ersten Montag einen vollen Helpdesk und danach eine Ausnahmeregelung, die nie wieder verschwindet.

Was in der Praxis funktioniert:

  • 1. Bestand aufnehmen. Welche Anmeldemethoden sind aktuell registriert, und wer nutzt was? Die Auswertung der Anmeldemethoden im Entra Admin Center zeigt Dir die Ausgangslage — meist unangenehm ehrlich.
  • 2. Passkey-Typ festlegen. Entscheide pro Risikoklasse, ob gerätegebundene, synchronisierte oder ausschließlich attestierte Sicherheitsschlüssel zulässig sind.
  • 3. Mit den Administratoren anfangen. Sie sind die wertvollsten Ziele, die kleinste Gruppe und die technisch versierteste — also die ideale erste Welle. Wer hier scheitert, hätte in der Breite ein Desaster erlebt.
  • 4. Registrierungskampagne für die Fläche. Microsoft Entra ID kann Benutzer bei der Anmeldung zur Einrichtung eines Passkeys auffordern. Der Fortschritt wird im Bericht Authentifizierungsmethoden → Aktivität kontrolliert.
  • 5. Erst dann erzwingen — gestaffelt nach Gruppen, über Conditional Access (dazu gleich).
  • 6. Schwache Methoden abschalten. Der Schritt, den fast alle vergessen: Solange SMS und Sprachanruf noch registrierbar sind, existiert der schwächste Pfad weiter — und Angreifer nehmen immer den schwächsten. Passkeys einführen und die alten Verfahren stehen lassen, ist wie ein Sicherheitsschloss an der Vordertür bei offenem Kellerfenster.
Passkey-Rollout in Microsoft Entra ID in sechs Schritten vom Bestand bis zum Abschalten schwacher Methoden

Der wunde Punkt: die Registrierung

Hier liegt die Lücke, über die in den meisten Anleitungen kein Wort steht. Ein Passkey ist genau so vertrauenswürdig wie der Vorgang, mit dem er registriert wurde.

Wenn ein Angreifer eine Sitzung oder einen schwach abgesicherten Registrierungsprozess übernimmt und einen eigenen Passkey auf dem Konto registrieren kann, hat er sich gerade selbst dauerhaften, phishing-resistenten Zugang eingerichtet. Die Technik funktioniert dann perfekt — für ihn.

Drei Maßnahmen, die diese Lücke schließen:

  • Temporary Access Pass (TAP). Ein zeitlich begrenzter Code, der für eine oder mehrere Anmeldungen konfiguriert werden kann. Damit registriert der Benutzer einen Passkey, ohne sich auf ein Passwort als Bootstrap zu verlassen. Für Onboarding und Geräteverlust ist das der kontrollierbare Weg. Microsoft beschreibt den Ablauf in der TAP-Dokumentation.
  • Registrierung an Bedingungen knüpfen. Über Conditional Access lässt sich die Aktion „Sicherheitsinformationen registrieren" gezielt einschränken — etwa auf vertrauenswürdige Netzwerke oder auf konforme Geräte. Wer sich von einem unbekannten Gerät aus im Ausland eine neue Anmeldemethode einrichten will, sollte das nicht einfach dürfen.
  • Registrierungen überwachen. Jede neu hinzugefügte Anmeldemethode gehört in ein Alarmierungskonzept. Das ist einer der verlässlichsten Frühindikatoren für eine Kontoübernahme überhaupt — und einer der am seltensten überwachten.
Passkey-Registrierung absichern mit Temporary Access Pass, Conditional Access und Überwachung neuer Anmeldemethoden

Durchsetzung richtig staffeln

Wie Du eine Conditional-Access-Richtlinie mit der Authentication Strength „phishing-resistente MFA" aufbaust und welche Methoden sie akzeptiert, ist im Artikel zu phishing-resistenter MFA in Microsoft 365 Schritt für Schritt beschrieben. Für den Passkey-Rollout zählt vor allem die Staffelung — sie entscheidet, ob die Durchsetzung angenommen oder umgangen wird:

  • Stufe 1 — privilegierte Rollen: phishing-resistente MFA mit gerätegebundenem, möglichst attestiertem Passkey. Für Notfälle bleibt ein separat entworfener Break-Glass-Pfad. Wie Du privilegierte Rollen zusätzlich zeitlich begrenzt, steht unter Privileged Identity Management.
  • Stufe 2 — Zugriff auf besonders schützenswerte Anwendungen: Finanzsysteme, HR-Daten, Kundendatenbanken.
  • Stufe 3 — die Fläche, mit realistischer Frist und begleitender Kommunikation.

Wichtig: Kombiniere die Richtlinie mit Deinen bestehenden Regeln, statt eine weitere Insel zu bauen. Wie ein sauberes Richtlinien-Set aussieht, habe ich unter Conditional Access Best Practices und für fortgeschrittene Szenarien unter erweiterte Conditional-Access-Richtlinien beschrieben.

Phishing-resistente MFA in drei Stufen durchsetzen: privilegierte Rollen, sensible Anwendungen und die Fläche

Fallstricke aus der Praxis

Break-Glass-Konten und Legacy-Authentifizierung. Beides ist Voraussetzung für einen belastbaren Passkey-Rollout, aber kein Passkey-spezifisches Thema — die Einrichtung von Notfallkonten mit eigenen FIDO2-Schlüsseln und das Abschalten von Basic Auth sind im Artikel Phishing-resistente MFA in Microsoft 365 erzwingen beschrieben.

Gastbenutzer. Externe bringen ihre eigenen Anmeldemethoden mit — Du steuerst sie über die Vertrauensstellung, nicht über Deine eigenen Registrierungsrichtlinien. Was dabei zu beachten ist, steht unter Entra ID Gastzugriff.

Geräteverlust. Ein Passkey auf einem verlorenen Telefon ist unbrauchbar für den Finder, solange die lokale Entsperrung greift — aber der Mitarbeiter ist trotzdem ausgesperrt. Ohne definierten Wiederherstellungsprozess landet das am Ende beim Helpdesk, der dann unter Zeitdruck eine Ausnahme macht. Genau dort entsteht die nächste Lücke. Regle den Prozess, bevor Du erzwingst.

Nicht unterstützte Anwendungen. Ältere Fat Clients und einzelne Branchenanwendungen kommen mit modernen Verfahren nicht zurecht. Erfasse sie vorher, sonst erfährst Du davon am Rollout-Tag.

Synchronisierte Passkeys ungeprüft freigeben. Komfort und Phishing-Resistenz sprechen für sie, der fehlende Attestierungsnachweis kann bei privilegierten Rollen dagegen sprechen. Trenne deshalb Standardkonten und Hochrisikokonten über unterschiedliche Passkey-Profile.


Haftung: Was Aufsicht und Normen erwarten

Passkeys sind kein Technik-Hobby, sondern zunehmend eine Erwartungshaltung.

NIS2 nennt in Artikel 21 Absatz 2 unter anderem Multi-Faktor- oder kontinuierliche Authentifizierung, soweit angemessen. Passkeys sind damit nicht pauschal gesetzlich vorgeschrieben; sie sind eine technisch starke Möglichkeit, diese Anforderung belastbarer umzusetzen als SMS oder Push.

DSGVO Artikel 32 verlangt Maßnahmen „nach dem Stand der Technik". Der Stand der Technik hat sich bei der Authentifizierung messbar verschoben: Wenn ein Verfahren dokumentiert und in der Breite umgehbar ist und eine praktikable Alternative existiert, wird die Begründung dünn, warum man beim schwächeren geblieben ist.

ISO 27001:2022 adressiert das Thema in A.5.17 (Authentifizierungsinformationen) — ein Auditor fragt hier nach dem Verfahren und nach dem Nachweis der Durchsetzung.

Die unbequeme Frage, die ich Geschäftsführern gern stelle: Wenn nächste Woche ein Konto per Adversary-in-the-Middle übernommen wird und daraus ein meldepflichtiger Vorfall entsteht — womit begründen Sie, dass Sie bei einem Verfahren geblieben sind, dessen Umgehung seit Jahren dokumentiert ist? Wie Du Deinen Tenant insgesamt DSGVO-konform aufstellst, habe ich separat beschrieben.


Häufige Fragen

Was ist ein Passkey und wie funktioniert er?

Ein Passkey ist ein kryptografisches Schlüsselpaar. Der öffentliche Schlüssel liegt bei Microsoft Entra ID. Der private Schlüssel bleibt entweder gerätegebunden oder wird bei synchronisierten Passkeys verschlüsselt über den Anbieter übertragen. Bei der Anmeldung signiert der Authentifikator eine Zufallsaufgabe; ein abfangbarer Code wird nicht übertragen.

Wie erstelle ich einen Passkey für die Microsoft Authenticator App?

In Microsoft Authenticator das Geschäfts-, Schul- oder Unikonto auswählen und Passkey erstellen wählen. Alternativ kann die Registrierung über aka.ms/mysecurityinfo gestartet werden. Voraussetzung ist ein passendes Entra-Passkey-Profil für die Benutzergruppe.

Was ist der Nachteil von Passkeys?

Sie verlagern das Risiko vom Gedächtnis auf das Gerät. Geht das Gerät verloren, braucht es einen definierten Wiederherstellungsweg — sonst landet der Fall unter Zeitdruck beim Helpdesk, und dort entstehen die Ausnahmen, die die Sicherheit wieder aufweichen. Außerdem unterstützen einzelne ältere Anwendungen moderne Authentifizierung nicht.

Muss ich meinen Passkey auf ein neues Handy übertragen?

Ein gerätegebundener Passkey in Microsoft Authenticator wird nicht auf das neue Telefon übertragen; dort registrierst Du einen neuen. Ein synchronisierter Passkey kann dagegen über den Passkey-Anbieter auf weiteren Geräten verfügbar sein. Welche Variante zulässig ist, entscheidet das Entra-Passkey-Profil.

Was bedeutet FIDO2?

FIDO2 ist der offene Standard hinter Passkeys, getragen von der FIDO Alliance und dem W3C. Er besteht aus WebAuthn für die Browser-Schnittstelle und CTAP für die Kommunikation mit dem Authentifikator. Microsoft Entra ID nennt die Methode entsprechend „Passkey (FIDO2)".

Ist MFA in Microsoft 365 Pflicht?

Microsoft verstärkt die MFA-Durchsetzung für administrative Zugänge schrittweise. Unabhängig davon nennt NIS2 für betroffene Unternehmen Multi-Faktor- oder kontinuierliche Authentifizierung als eine angemessene Maßnahme. Daraus folgt keine pauschale Passkey-Pflicht, wohl aber die Notwendigkeit, schwächere Verfahren risikobasiert zu begründen.


Passkey-Readiness-Self-Check

Jedes „Nein" ist eine Lücke, die im Ernstfall genau an dieser Stelle aufreißt:

  • Sind alle privilegierten Konten auf phishing-resistente Verfahren umgestellt?
  • Sind gerätegebundene und synchronisierte Passkeys über getrennte Profile risikogerecht gesteuert?
  • Sind SMS und Sprachanruf als Anmeldemethode deaktiviert — nicht nur „nicht empfohlen"?
  • Ist Legacy-Authentifizierung tenantweit blockiert?
  • Gibt es einen definierten Registrierungsprozess mit Temporary Access Pass?
  • Ist die Registrierung neuer Anmeldemethoden an Bedingungen geknüpft und wird sie überwacht?
  • Existieren zwei Break-Glass-Konten mit FIDO2-Schlüsseln, physisch getrennt verwahrt und regelmäßig getestet?
  • Ist ein Wiederherstellungsprozess für Geräteverlust dokumentiert — und hat ihn schon mal jemand durchlaufen?
  • Kennst Du die Anwendungen in Deiner Umgebung, die moderne Authentifizierung nicht unterstützen?

Wo Du mehrfach zögerst, lohnt eine strukturierte Standortbestimmung statt punktueller Nachbesserung. Weitere Härtungsmaßnahmen findest Du unter Microsoft 365 Security und Empfehlungen, Deinen Fortschritt machst Du über den Microsoft Secure Score messbar, und die Grundlagen der Identitätsabsicherung stehen unter Entra ID Best Practices.

Bereit, Deine Anmeldeverfahren auf den Prüfstand zu stellen?

Ich bin Aaron Siller, Microsoft MVP für Security und Gründer von siller.consulting. In meiner Beratungspraxis führe ich Microsoft 365-Tenants auf phishing-resistente Verfahren um. Der Teil, der in Projekten schiefgeht, ist fast nie die Kryptografie — es sind Passkey-Typ, Registrierung, Wiederherstellung und Ausnahmen, die niemand mehr zurücknimmt.

In einem persönlichen Workshop gehen wir Deinen Tenant gemeinsam durch: aktuelle Methodenverteilung, Risikoprofil Deiner privilegierten Konten, ein realistischer Rollout-Pfad und der Wiederherstellungsprozess, der ihn trägt. Kein Folienvortrag, sondern Hands-on an Deiner echten Umgebung.

Oder starte direkt mit unserem Microsoft 365 Hardening Check: Wir prüfen strukturiert, wo Deine Authentifizierung heute wirklich steht — und Du weißt anschließend genau, welche Lücken in welcher Reihenfolge zu schließen sind.

Aaron Siller ist Microsoft MVP und Security Consultant mit über 10 Jahren Erfahrung in der Absicherung von Microsoft 365-Umgebungen. Als Fachbuchautor (Rheinwerk Verlag) und Trainer für die Heise Academy und Golem Karrierewelt vermittelt er praxisnahes Security-Wissen. Er berät Organisationen vom Mittelstand über Banken und Konzerne bis zu öffentlich-rechtlichen Sendern wie ARD und ZDF.

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