Das neue Jahr bringt spürbare Veränderungen rund um Datensicherheit und Compliance in Microsoft Purview. Mehrere Funktionen werden konsolidiert, erweitert oder grundlegend neu gedacht. Der Fokus liegt klar auf zentraler Steuerung, besserer Transparenz und mehr Unterstützung für Security- und Compliance-Teams – teils klassisch, teils mit KI-Unterstützung. Wer Purview aktiv nutzt, sollte diese Entwicklungen einordnen, denn sie betreffen sowohl tägliche Ermittlungsarbeit als auch strategische Entscheidungen.
Hier sind die wichtigsten Entwicklungen, die IT-Admins kennen sollten
Endpunkt-DLP: Sensible Datenwarnungen wechseln von Defender zu Purview
Microsoft stellt die Alarmierung sensibler Datenaktivitäten auf Endgeräten im Microsoft Defender Portal schrittweise ein. Künftig läuft dieses Thema zentral über Microsoft Purview DLP. Ziel ist eine einheitlichere DLP-Erfahrung mit besseren Möglichkeiten für Durchsetzung, Untersuchung und Nachverfolgung – eingebettet in Microsoft Defender XDR.
Kurz gesagt: Defender verliert diese DLP-Funktion – Purview übernimmt vollständig.
Zeitplan der Umstellung
- 16. Februar 2026
Ab diesem Datum können keine neuen Alarmrichtlinien im Defender Portal mehr erstellt werden, die sich auf sensible Endpunkt-Datenaktivitäten beziehen.
- 23. März 2026
Bestehende Defender-Warnrichtlinien für diese Aktivitäten generieren keine Benachrichtigungen mehr.
Ab diesem Zeitpunkt ist die Funktion im Defender-Portal faktisch abgeschaltet.
Wer ist betroffen?
- Organisationen, die Microsoft Defender XDR nutzen, um sensible Datenaktivitäten auf Endpunkten zu überwachen
- Administratoren, die Alarmrichtlinien im Defender Portal erstellen oder pflegen
Wenn Defender aktuell eure primäre Stelle für Endpunkt-DLP-Warnungen ist, müsst ihr aktiv werden
Welche Aktivitäten fallen im Defender weg?
Die folgenden endpunktsensitiven Datenaktivitäten werden im Defender Portal nicht mehr unterstützt:
- Kopieren sensibler Daten
– auf Wechseldatenträger
– auf Remote-Freigaben
– in die Zwischenablage
- Upload sensibler Dateien in Drittanbieter-Apps oder -Dienste
- Zugriff auf sensible Dateien mit nicht erlaubten Anwendungen
Nach der Abschaltung werden diese Aktivitäten im Defender nicht wieder reaktiviert.
Was stattdessen mit Microsoft Purview DLP möglich ist
Alle genannten Szenarien lassen sich weiterhin – und umfassender – mit Microsoft Purview DLP abdecken:
- Alarmierung und Ereigniserstellung
- Benutzerbenachrichtigungen über Richtlinien
- Blockieren oder Einschränken von Aktionen
- Einheitliche Untersuchung von DLP- und Sicherheitsereignissen
- Zentrale Triage direkt in der Defender-XDR-Oberfläche
Wichtig: Purview-DLP-Warnungen erscheinen weiterhin in Defender XDR, nur die Steuerung liegt nicht mehr im Defender Portal selbst.
Was du jetzt tun solltest
- Bestehende Defender-Warnrichtlinien prüfen
→ Werden dort Endpunkt-DLP-Aktivitäten genutzt?
- Entsprechende Szenarien neu als Purview-DLP-Richtlinien abbilden
- Sicherheits- und Helpdesk-Teams frühzeitig informieren
- Interne Doku aktualisieren
- Endpunkt-DLP-Konfiguration in Purview überprüfen
Wenn keine eurer Defender-Warnrichtlinien diese Aktivitäten nutzt, besteht kein Handlungsbedarf.
Hier sind weitere Infos dazu:
https://admin.cloud.microsoft/?#/MessageCenter/:/messages/MC1217649?MCLinkSource=MajorUpdate

Quelle: Screenshot Microsoft: Sensible Datenalarmierung in Defender
Microsoft Purview Compliance-Portal: Vorschau auf E-Mail-Anhänge im Activity Explorer
Microsoft erweitert den Activity Explorer im Microsoft Purview Compliance-Portal um eine Funktion, die im Alltag tatsächlich Zeit spart. Ab Anfang Februar 2026 können Administratoren markierte E-Mail-Anhänge aus Exchange Online direkt im Portal einsehen – ohne die komplette E-Mail herunterladen zu müssen.
Das sorgt für schnellere Untersuchungen und reduziert gleichzeitig unnötige Risiken beim Umgang mit sensiblen Inhalten.
Wann kommt das Update?
Allgemeine Verfügbarkeit (weltweit):
Start und Abschluss Anfang Februar 2026
Die Einführung erfolgt automatisch und ohne Unterbrechung bestehender Prozesse.
Wer profitiert davon?
- Administratoren, die den Microsoft Purview Activity Explorer nutzen
- Teams, die DLP- oder Informationsschutz-Ereignisse in Exchange Online analysieren
- Compliance- und Security-Teams, die regelmäßig sensible E-Mail-Inhalte prüfen
Für Endnutzer ändert sich nichts – die Neuerung betrifft ausschließlich die Administratoren-Ansicht.
Was genau ändert sich?
Künftig können Administratoren:
- E-Mail-Anhänge, die als sensibel markiert wurden, direkt im Activity Explorer vorschauen
- Unterstützte Dateitypen in einem separaten Vorschaufenster anzeigen
- In den meisten Fällen auf den Download kompletter E-Mails verzichten
- Weiterhin mit unveränderten DLP- und Informationsschutzrichtlinien arbeiten
Die Funktion ist standardmäßig aktiviert. Es sind keine zusätzlichen Einstellungen oder Freigaben notwendig.
Vorbereitung: Muss etwas getan werden?
Kurz gesagt: Nein.
- Keine Konfiguration erforderlich
- Keine Auswirkungen auf bestehende Richtlinien
Optional sinnvoll:
- Security- und Compliance-Teams über die neue Vorschau-Funktion informieren
- Interne Doku oder Untersuchungsabläufe leicht anpassen
Detaillierte Hinweise sind hier zu finden:
https://admin.cloud.microsoft/? - /MessageCenter/:/messages/MC1217153

Quelle: Screenshot Microsoft: Vorschau auf E-Mail-Anhänge
Data Security Posture Agent: Neue KI-gestützte Unterstützung für die Datensicherheit (Vorschau)
Mit dem Data Security Posture Agent erweitert Microsoft Purview die Datensicherheit um einen klaren Schritt in Richtung Kontext- und Risikoverständnis. Seit 24. Dezember 2025 ist der Agent in der öffentlichen Vorschau verfügbar und richtet sich gezielt an Administratoren, die sensible Daten nicht nur finden, sondern auch besser einordnen und bewerten möchten.
Statt sich ausschließlich auf klassische Keyword-Erkennung zu verlassen, nutzt der Agent große Sprachmodelle (LLMs), um Inhalte im Zusammenhang zu verstehen – also Zweck, Kontext und potenzielle Risiken.
Zeitplan im Überblick
Öffentliche Vorschau (weltweit):
Start Mitte Dezember 2025, schrittweise Einführung bis Ende Dezember 2026
Allgemeine Verfügbarkeit:
Mitte März 2026 bis Ende März 2026
Wer ist betroffen?
- Administratoren, die Datensicherheit und Compliance in Microsoft Purview verantworten
- Teams, die einen Überblick über sensible Daten über mehrere Workloads hinweg benötigen
- Für Endanwender gibt es keine direkte Änderung – der Agent ist ein reines Admin-Werkzeug.
Was bringt der Data Security Posture Agent konkret?
Der neue Agent wird in Microsoft Purview unter „Explore Agent“ bereitgestellt und unterstützt Administratoren dabei, sensible Daten gezielt zu analysieren:
- Durchsucht Dokumente, E-Mails und Nachrichten nach sensiblen Inhalten
- Bewertet Risiken auf Basis von Kontext und Absicht, nicht nur anhand von Begriffen
- Liefert GenAI-generierte Zusammenfassungen, um Erkenntnisse schneller einzuordnen
- Unterstützt mit LLM-basierten Aufgaben und
- Gibt konkrete, umsetzbare Empfehlungen, um die Sicherheitslage zu verbessern
Wichtig:
Der Agent ist nicht automatisch aktiv und erfordert eine bewusste Einrichtung durch Administratoren.
Vorbereitung: Was ist zu tun?
- Einrichtung des Agents in Microsoft Purview > Explore Agent
- Sicherstellen, dass die erforderlichen Admin-Rollen vergeben sind
- Sicherheits- und Compliance-Teams frühzeitig informieren
- Datenschutzrichtlinien prüfen, da Inhalte aktiv analysiert werden
Detaillierte Hinweise zur Funktionsweise findest du hier: https://admin.cloud.microsoft/?#/MessageCenter/:/messages/MC1217155

Quelle: Screenshot Microsoft: GenAI-generierte Zusammenfassungen
Microsoft Purview Content Explorer: Mehr Transparenz bei Scan-Status und Klassifizierung
Mit einem weiteren Update baut Microsoft den Content Explorer in Microsoft Purview gezielt aus. Ziel ist es, Administratoren einen besseren Überblick darüber zu geben, welche Daten tatsächlich gescannt wurden – und wo noch Lücken bestehen. Zusätzlich kommen neue Einblicke in die Klassifikationshistorie, um Entwicklungen über die Zeit nachvollziehbar zu machen.
Die Neuerungen betreffen ausschließlich die Auswertung und Darstellung vorhandener Informationen. An bestehenden Richtlinien oder der Datenverarbeitung selbst ändert sich nichts.
Rollout-Zeitraum
Öffentliche Vorschau:
Start Ende Januar 2026, Abschluss bis Mitte Februar 2026
Allgemeine Verfügbarkeit (weltweit):
Einführung ab Anfang März 2026, vollständig bis Ende März 2026
Wer ist betroffen?
- Administratoren, die Microsoft Purview Information Protection nutzen
- Teams, die regelmäßig mit dem Content Explorer arbeiten, um sensible Daten zu überwachen
Was wird neu hinzugefügt?
Der Content Explorer erhält zusätzliche Zusammenfassungsmetriken, die direkt im bekannten Interface angezeigt werden:
- Eine Übersicht zu ungescannten Dateien, inklusive Anzahl und prozentualem Anteil
- Classification History Insights, die zeigen, wie sich Klassifizierungen im Zeitverlauf verändert haben
- Die neuen Kennzahlen erscheinen neben bestehenden SITs und Labels und fügen sich nahtlos in die bisherige Ansicht ein
- Auf Basis dieser Informationen können Administratoren gezielt erkennen, wo Scans fehlen, und bei Bedarf On-Demand-Klassifizierungen erneut anstoßen.
Vorbereitung: Muss etwas getan werden?
Nein.
Die Funktionen sind standardmäßig aktiviert, erscheinen automatisch im Content Explorer und erfordern keine Konfigurationsänderungen.
Weitere Informationen findest du hier:
https://admin.cloud.microsoft/?#/MessageCenter/:/messages/MC1217640

Quelle: Screenshot Microsoft: Ungescannte Dateizusammenfassung
Fazit
Microsoft zieht die Linien klarer: Endpunkt-DLP wird vereinheitlicht, Untersuchungen werden direkter, und mit KI-gestützten Agenten hält ein neuer Analyseansatz Einzug. Gleichzeitig sorgen zusätzliche Einblicke im Content Explorer dafür, dass blinde Flecken bei der Klassifizierung schneller auffallen.
Kurz zusammengefasst:
- Endpunkt-DLP wird vollständig in Microsoft Purview gebündelt – Defender-Alarme für sensible Daten laufen aus.
- Activity Explorer erlaubt künftig die direkte Vorschau markierter E-Mail-Anhänge, ohne Downloads.
- Der Data Security Posture Agent bringt kontextbasierte, KI-gestützte Risikoanalysen in die Vorschau.
- Der Content Explorer liefert neue Kennzahlen zu ungescannten Daten und Klassifizierungstrends.
Unterm Strich: weniger Fragmentierung, mehr Übersicht – aber auch die klare Erwartung, dass Organisationen Purview künftig als zentrale Plattform für Datensicherheit verstehen und einsetzen.


































